viverrida: (Nanny)
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Es war einmal...
ein grasegrüner Schal unbekannten Materials – die Gelehrten seinerzeit vermuteten, dass seinem Gewebe Viscose zu Grunde liege, doch beweisen konnten sie es nicht, so sehr sie auch nach Erkenntnis streben mochten – und ein Döschen Dylon-Textilfarbe, sicherlich noch aus der Altvorderenzeit, denn keiner vermochte sich seiner Herkunft zu erinnern. Diese beiden wurden nun von einer tatkräftigen Hexe, der das Grasegrün des Schales in den Augen schmerzte, und die deshalb für das arme, wehrlose, und an seinem Farbschicksal gewiss ganz unschuldige Textil keine rechte Begeisterung aufbringen konnte, in die Küche verschleppt, wo sie sich sodann ans Werk machte.
Nachdem der Schall genässt war – sein Angesicht verdunkelte sich ob dieser Schmach – erdolchte die Hexe das Farbdöschen, schüttete seine Innereien in einen halben Liter kochenden Wassers und löste sie darin auf. Dieser gar teuflisch stinkende Sud wurde in einen mit reichlich Wasser gefüllten Kessel Topf geschüttet; ein Schicksal, das sogleich auch ein gehäufter Esslöffel feinsten Salzes teilte. In diesem wahrhaft alchemistischen Gebräu fand sich denn auch der immer noch grüne Schal wieder, allem verzweifelten Tropfen zum Trotze. Doch das Ende seines Leidensweges war noch nicht erreicht, nein. Erhitzt wurde das Gemenge, bis es gar kochte! Das folgende Drittel einer Stunde brachte die Hexe damit zu, magische Formeln murmelnd eifrig im Topfe rührend ihr kochendes Experiment zu begleiten, ständig ein Auge darauf, ob der Schal – oder gar der Sud selbst, es geschah schon ungeheuerlicheres – nicht doch einen verzweifelten und freilich zum Scheitern verurteilten Fluchtversuch wagen würde. Es blieb jedoch bei ein paar halbherzigen Aufwallungen und ehe man sich's versah, war die Zeit für die abschließende Stufe der färberischen Unternehmung gekommen, der letzte Schritt, der enthüllen würde, ob da Experiment zum Erfolg geführt hatte.
Schal und Farbsud wurden nach ihrer kurzen, wenn auch bei aller Unfreiwilligkeit innigen Beziehung wieder voneinander getrennt; die Hexe in ihre Unnachgiebigkeit ließ nicht eher davon ab, den nunmehr deutlich verdunkelten Schal in stets neuem Wasser zu walken, als bis sich auch das letzte bisschen Farbe von ihm gelöst hatte. Hierauf hängte sie das Textil zum Trocknen auf, denn erst nachdem alle Feuchtigkeit aus ihm gewichen, würde es möglich sein, das Ergebnis des Experimentes endgültig zu beurteilen.
Wie war die Freude der Hexe am nächsten Morgen groß, als sie des nunmehr trockenen und in schönstem dunklem Petrol erstrahlenden Schales gewahr wurde, und auch dieser konnte sich nach all den Strapatzen mit seinem Schicksal anfreunden, da er sich doch insgeheim mit jeder Faser seines Wesens nach Zuneigung gesehnt hatte, von der er nun mehr als genug bekommen sollte.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann freuen sie sich noch heute.


Vom hässlichen Entlein...



... zum wunderschönen Schwan.

(dessen Farbe sich meiner Kamera weitestgehend verweigert hat, aber so ungefähr kommt's hin)
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